Aktuelles bei JAM

Hungerkrise in Westafrika

In der Sahel-Zone ist nach einer Dürreperiode für Millionen von Menschen der Zugang zu ausreichender Nahrung gefährdet

(22.02.2012) Für mehr als 11 Millionen Menschen in Tschad, Niger, Mali, Burkina Faso und Mauretanien fehlt in den kommenden Monaten ein gesicherter Zugang zu ausreichenden Nahrungsmitteln. Ausgebliebene Regenfälle haben in mehreren Ländern Westafrikas zu verheerenden Ernteausfällen geführt. Vielerorts blieb die Getreideproduktion weit hinter den erwarteten Mengen zurück.

Verschiedene Faktoren verschlimmern derzeit die ohnehin schon angespannte Situation. Die vielerorts deutlich gestiegenen Nahrungsmittelpreise stellen eine erhebliche Zusatzbelastung dar. Laut der Nichtregierungsorganisation Oxfam sind die regionalen Getreidepreise in Westafrika im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre um 40% gestiegen. Zudem liegt die letzte Dürre in der Region erst kurze Zeit zurück, sodass eine Erholung der damals betroffenen Bauern und Viehhirten von den verheerenden Auswirkungen in vielen Fällen noch nicht stattfinden konnte. Nahrungsmittelvorräte sind noch nicht wieder aufgefüllt, finanzielle Reserven sind weitgehend aufgebraucht. Viehbestände, die in Dürrezeiten verkauft oder geschlachtet wurden, um das unmittelbare Überleben zu sichern, wurden in der kurzen Zwischenzeit noch nicht wieder aufgebaut. In der Folge sind weite Bevölkerungsteile westafrikanischer Länder im Zuge der derzeitigen Hungerkrise nicht nur von kurzfristigem Hunger sondern vielmehr von langfristiger Verarmung und Unterernährung bedroht.

Regierungen, UN Agenturen und Nichtregierungsorganisationen weisen darauf hin, dass bis zu sechs Millionen Menschen in Niger, 2,9 Millionen Menschen in Mali, 700.000 Menschen (und damit mehr als ein Viertel der Bevölkerung) in Mauretanien, über 2 Millionen Menschen in Burkina Faso sowie 13 der 22 Regionen im Tschad von akuter Nahrungsmittelknappheit betroffen sein werden, wenn nicht innerhalb von kürzester Zeit gehandelt wird. In einer gemeinsamen Stellungnahme haben UN Agenturen, die EU sowie die amerikanische Entwicklungsorganisation USAID deshalb am 15. Februar in Rom bei einem kurzfristig einberufenen Treffen in der Zentrale des Welternährungsprogramms (WFP) auf die komplexe Hungerkrise in Westafrika hingewiesen und zu einer Ausweitung der humanitären Nothilfe für die Region aufgerufen.

Joint Aid Management (JAM) hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend von einer reinen Katastrophenhilfeorganisation zu einer Entwicklungsorganisation entwickelt, die einen ganzheitlichen und nachhaltigen Entwicklungsansatz verfolgt. Um Spendengelder und sonstige Geldmittel, die JAM zur Verfügung stehen (beispielsweise durch staatliche Fördermittel), möglichst effektiv einsetzen zu können, arbeitet JAM in fest definierten Projektländern und geographischen Gebieten. Als Grundlage der Arbeit vor Ort verfügt JAM über einen umfangreichen lokalen Mitarbeiterstab, ein gut ausgebautes Beziehungs- und Kontaktnetzwerk, einen reichhaltigen Erfahrungsschatz über die lokalen Gepflogenheiten und politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rahmenbedingungen der Arbeit sowie über die notwendige Infrastruktur und Fahrzeugflotte. Zur Zeit arbeitet JAM in Angola, Mosambik, Ruanda, Südafrika und im Südsudan. In den Ländern Westafrikas, die derzeit in den Medien eine besondere Aufmerksamkeit aufgrund der dortigen Hungerkrise erfahren, hat JAM keine eigenen Projekte und wird in absehbarer Zukunft auch kein eigenes Engagement beginnen. Ein rasch (und womöglich übereilt) begonnenes Engagement aufgrund der aktuellen Medienberichterstattung würde den Grundsätzen von JAM hinsichtlich einer soliden und langfristig nachhaltigen sowie transformativen Arbeit widersprechen. Außerdem würden dadurch wichtige Ressourcen aus denjenigen Ländern abgezogen werden, in denen JAM bereits seit mehreren Jahren seine Entwicklungsprogramme betreibt. Sollte es in den genannten JAM-Projektländern jedoch zu einer Katastrophe kommen, die ein schnelles Eingreifen erfordert, wird JAM selbstverständlich mit seinem dortigen Personal, der vorhandenen Infrastruktur sowie der Fahrzeugflotte zu den Hilfsbemühungen beitragen.

JAM empfiehlt deshalb: Wenn Sie aufgrund der aktuellen Situation den Wunsch haben, den Menschen in Westafrika mit einer Spende zu helfen, beachten Sie bitte folgende Hinweise (DZI-Tipps für Spenden in Katastrophenfällen):

  1. Kompetenz hat Vorrang (JAM hat in Westafrika zur Zeit keine Projektkompetenz und ruft aus diesem Grund auch nicht zu Spenden für diese Region auf. Leider hat jedoch nicht jede Organisation, die zur Zeit um Spenden für Westafrika wirbt, auch die nötige Kompetenz, um vor Ort tatsächlich wirksame Hilfe leisten zu können. Spender sind aus diesem Grund dazu angehalten, sich umfassend über die Organisation (und ihre tatsächlichen Projekte in Westafrika) zu informieren, die sie gerne mit einer Spende unterstützen würden. Als Entscheidungshilfe beobachten Sie bitte, ob vom DZI in den nächsten Tagen oder Wochen eine entsprechende Spenden-Info für die Hungerkrise in Westafrika herausgegeben wird. Die Spenden-Infos des DZI nennen jeweils immer diejenigen Organisationen, die das Spenden-Siegel tragen und bei denen das DZI eindeutige Informationen über einen zweckgebundenen Spendenaufruf erhalten hat. Zudem werden in der Spenden-Info nur solche Hilfsorganisationen aufgelistet, die entweder selbst mit eigenen Mitarbeitern vor Ort tätig sind oder bereits über bestehende gute Kontakte zu Partnerorganisationen verfügen und Spendengelder aus Deutschland an diese weiterleiten. Organisationen, die möglicherweise erste Mittel zurückgelegt haben, derzeit aber noch keine nachvollziehbaren Angaben über kompetente Kooperationspartner vor Ort oder den konkreten Mitteleinsatz machen können, sind in der aktuellen Spenden-Info nicht berücksichtigt.)
  2. Vorsicht bei übertriebener Dringlichkeit des Spendenaufrufs (Misstrauen ist angebracht bei Spendenaufrufen, die viele Emotionen wecken, aber wenig Informationen über die konkret geplanten Hilfsmaßnahmen bieten. Spender sollten sorgfältig darauf achten, dass dem Spendenaufruf genau zu entnehmen ist, wie und für wen die gesammelten Spenden eingesetzt werden sollen. Diese Frage ist insbesondere dann von Bedeutung, wenn aus dem Spendenaufruf nicht hervorgeht, dass das betreffende deutsche Hilfswerk mit Partnerorganisationen in der Katastrophenregion zusammenarbeitet.)
  3. Geldspenden sind besser als Sachspenden (Geldspenden können von den Hilfsorganisationen zumeist flexibler und effizienter eingesetzt werden als Sachspenden. Sachgüter sollten nur dann gespendet werden, wenn seriöse Organisationen gezielt um sie bitten.)
  4. Zweckbindung der Spende (Soll eine Spende für einen ganz bestimmten Zweck bestimmt sein, so muss bei der Überweisung neben der richtigen Kontoverbindung unbedingt das vom jeweiligen Hilfswerk vorgegebene Stichwort als Verwendungszweck angegeben werden. Grundsätzlich sollten Spender aber bedenken, dass zweckgebundene Spenden die Fähigkeit der Hilfswerke, auf unvorhergesehene Ereignisse zu reagieren, stark einschränken. Das DZI empfiehlt deshalb, außerhalb bestimmter Katastrophenfälle Spenden an seriöse Organisationen im Regelfall ohne Zweckbindung zu vergeben.)
  5. Schnell, aber nicht übereilt spenden – Vorsicht besonders bei Internet-Aufrufen (gerade bei großen Katastrophen treten leider auch „Trittbrettfahrer“ mit Spendenaufrufen an die Öffentlichkeit, die gar nicht über die nötige Kompetenz verfügen, um wirksam und effizient helfen zu können, oder bei denen ein Großteil der Spenden in der Verwaltung versickert oder sogar zur privaten Bereicherung missbraucht wird. Deshalb rät das DZI, auf jeden Fall die in Frage kommende Organisation zunächst auf Seriosität zu überprüfen (etwa durch Anfrage beim DZI). Dies gilt besonders für Spendenaufrufe im Internet, die oft zu einer vorschnellen Überweisung verleiten. So genannte Ketten-E-Mails haben meistens einen unseriösen Hintergrund.)

Gemeinsame Stellungnahme am 15. Februar 2012 in Rom: http://www.wfp.org/news/news-release/urgent-call-united-action-inthe-sahel-region-west-africa

22.02.2012 11:33

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